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Manchmal braucht Verwaltung ziemlich lange – fast sieben Jahre, um genau zu sein. Ende August wurden an drei Straßen in Steglitz-Zehlendorf nun endlich Hinweisschilder zur historischen Einordnung ihrer Namensgeber aufgestellt.
Hintergrund waren jahrelange Debatten über eine mögliche Umbenennung des Hindenburgdamms und der Gallwitzallee. Die BVV lehnte eine Umbenennung mehrheitlich ab. Die FDP hält eine Umbenennung nur in Ausnahmefällen für das richtige Mittel. Wo historische Persönlichkeiten heute kritisch bewertet werden, sollten zunächst die historischen Hintergründe aufgearbeitet und eingeordnet werden, statt Namen direkt aus dem Stadtbild zu entfernen. Dabei geben die Ausführungsvorschriften des Landes Berlin den entsprechenden juristischen Rahmen vor.
Genau deshalb hatte die BVV beschlossen, an den betreffenden Straßen für eine historische Kontextualisierung zu sorgen. Der Fachbereich Kultur entwickelte dafür ein einheitliches Schildersystem, dessen Ausgestaltung auch von den Mitgliedern des Ausschusses für Bildung und Kultur mitberaten wurde. Die Tafeln informieren über die Hintergründe der Straßenbenennung, die Vita der jeweiligen Namensgeber und heutige Kritikpunkte an ihrer Würdigung. Die Texte wurden von Historikerinnen und Historikern erarbeitet. Ein QR-Code auf jedem Schild ermöglicht zudem, neue Erkenntnisse und Informationen auch künftig zu ergänzen.
„Straßen einfach umzubenennen, sollte aus unserer Sicht immer nur die Ausnahme sein“, betont die FDP-Fraktionsvorsitzende Mathia Specht-Habbel. „Viel wichtiger ist es, historische Zusammenhänge sichtbar zu machen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Urteil zu bilden.“
Dass die Umsetzung fast sieben Jahre gedauert hat, zeigt allerdings auch: Zwischen einem politischen Beschluss und seiner tatsächlichen Umsetzung liegt in Berlin manchmal eine erstaunlich lange Strecke. Umso erfreulicher ist es, dass die historische Einordnung nun endlich vor Ort sichtbar wird – und aus einer aufgeladenen Umbenennungsdebatte ein sachlicher Umgang mit Geschichte werden kann.