Tagesspiegel (01.10.2025)
Die Treitschkestraße heißt jetzt Betty-Katz-Straße2. Oktober 2025
Offener Brief der Zählgemeinschaft an die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie
9. Oktober 2025

Einweihung der Betty-Katz-Straße

Über 30 Jahre lang erregte eine Straße in Steglitz die Gemüter, die seit 1906 nach dem Historiker Heinrich von Treitschke benannt war. Am Mittwoch (1.10.) wurde die Straße nun nach Betty Katz benannt.
Der neue Straßenname ist ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und für die Erinnerung an ein Opfer des Holocaust, an eine engagierte Frau aus der Steglitzer Nachbarschaft, die sich in einer schweren Zeit um blinde und hilfsbedürftige Menschen kümmerte.

Vorausgegangen waren der Umbenennung „abwechslungsreiche, intensive, kontroverse Debatten im Ausschuss für Bildung und Kultur und der BVV“, wie die kulturpolitische Sprecherin der FDP und Ausschussvorsitzende Katharina Concu während der Ansprache vor Ort am Harry-Bresslau-Park erinnerte. Der Park wurde 2008 benannt, 2015 folgte eine regionalhistorische Informationsstele. Doch den Autor des Satzes „Die Juden sind unser Unglück.“ weiterhin zu ehren, lehnte eine Mehrheit der BVV schließlich 2022 ab. Die FDP-Fraktionsvorsitzende Mathia Specht-Habbel sagte in der damaligen Sitzung: „Wir sind immer für eine Einzelfallentscheidung gewesen, aber Treitschke ist wirklich jemand, bei dem es schwierig wird und für den wir uns nicht explizit einsetzen würden“.

Die Ampel-Zählgemeinschaft wandte sich nach dem Beschluss, die Straße umzubenennen, an Anwohnerinnen und Anwohner, um sie bei der Suche nach einem neuen Straßennamen zu beteiligen. In die beiden Sitzungen des Ausschusses für Bildung Ende 2024 und Anfang 2025 kamen mehr als 100 Gäste und trugen ihre Ideen und Argumente vor. Auch Felix Klein, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus sowie der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Sigmount Königsberg waren gekommen und haben sich mit Nachdruck für eine Umbenennung der Steglitzer Straße stark gemacht. Insbesondere die Ausführungen von Sigmount Königsberg, der berichtete wie Antisemiten seit dem Überfall auf Israel am 7.10.2023, Treitschkes Satz „Die Juden sind unser Unglück.“ wieder zu ihrem Motto gemacht hätten, hätten gezeigt, dass die Idee eines begehbaren Geschichtsbuchs im öffentlichen Raum nicht immer zielführend sei. Concu formulierte es damals im Ausschuss so: „In Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar.‘ Die Überzeugung ‚Die Juden sind unser Unglück.‘ ist damit nicht vereinbar und daher kann eine Person, die mit diesem Satz auch das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte geprägt hat, nicht mehr Namensgeber einer Straße sein. Betty Katz hingegen wirkt mit ihrem inklusiven Bildungsanspruch positiv in die Gegenwart und Zukunft. Dass ihr Leben durch den NS-Rassenwahn im KZ Theresienstadt ein erschreckendes Ende fand, ist Mahnung für künftige Generationen.“

Hinweis: Für eine Übergangszeit von 6 Monaten wird der neue Straßenname noch vom alten begleitet, danach werden die alten Namensschilder abmontiert. Für Anwohnerinnen und Anwohner, die neue Papiere benötigen, gibt es unbürokratisch beim Bürgeramt Soforttermine.